Desert Hare Classic Hunt 2004


Text und Fotos: Steve Garth


Die Veranstaltung Desert Hare Classic Hunt wird einmal im Jahr in New Mexico abgehalten. Gastgeber ist der berühmte Schriftsteller und Jäger Dutch Salmon (www.high-lonesomebooks.com). Bei diesem renommierten Ereignis messen sich die besten Jagdhunde der USA mit den härtesten und zähesten Jackrabbits in Nord-Amerika.

Jo und ich überlegten schon eine Weile, ob wir Cai melden sollten. Wir wollten die Wüste in New Mexico ausprobieren, um zu sehen, wie er es machen würde, aber wir wußten, daß er noch sehr jung ist und zudem noch in seiner ersten Jagdsaison. Würde er der Herausforderung gewachsen sein? Schließlich entschlossen wir uns ihn zu melden. Er war in bester Kondition und wurde bei jeder Jagd besser. Und was noch wichtiger war, er genoß jede Minute davon. So dachten wir, was soll es - laß uns die Möglichkeit ergreifen solange sie da ist!

Es war eine Zweitagesreise um dort anzukommen. Mit trüben Augen und dem dringenden Wunsch nach Koffein, um unseren Kreislauf auf Trab zu bringen, trafen wir die anderen Jäger zum Frühstück im El Camino um 6 Uhr morgens. Wir begrüßten alte Freunde und trafen einige neue. Jedoch machte das Schicksal eine ungünstige Wendung. Zwischen meiner dritten Tasse Kaffee und den Eggs Mexicanos sagte jemand beiläufig, daß draußen ein Schneesturm wäre. Normaler Schnee, so lange er nicht zu schlimm ist, ist kein Problem, wohl aber die Sichtverhältnisse. Man möchte Hunde keine zwei Meilen (ca. 3 km) Coursing rennen lassen, wenn man nur 200 Yards (ca. 180 m) weit sehen kann. Dutch entschied, daß die Bedingungen gegen uns wären und daß wir uns zwei Stunden später wieder treffen würden und hoffen, daß sie dann besser geworden wären.

Wir taten es und die Verhältnisse wurden besser. Wir kamen um halb zehn bei besten Bedingungen an dem Feld an. Der Schneefall hatte aufgehört, die Sonne brach durch die Wolken, der Boden war weich, aber nicht zu weich und die Temperatur betrug ungefähr 40 F (5C). Ideal für eine Jagd.

Man nennt New Mexico das verzauberte Land und an diesem Morgen verstand ich warum. Ich war umringt von schneebedeckten Bergen, deren Gipfel im Westen in der frühen Morgensonne glühten. Auf 5000 Fuß (1500 m) Höhe atmete ich in tiefen Zügen die reine kalte Luft ein und fühlte mich wirklich lebendig. Und hier war ich nur ein kleines Sandkorn in dieser enormen stillen ruhigen friedlichen und ja bezaubernden Landschaft. Es begann, ein großartiger Tag zu werden.

Wir hatten eine auserwählte Mischung an teilnehmenden Hunden: zwei Salukis aus Wisconsin, ein Longdog (Anm.: Mischling aus zwei Windhundrassen) aus Arizona, zwei Longdogs aus Texas, ein Greyhound aus New Mexico, zwei Salukis und ein Longdog aus Nord-Kalifornien, ein Azawakh aus Nord-Kalifornien, sechs Salukis aus New Mexico und schließlich Sunny, unser Lurcher (Anm.: Mischling aus Windhund und meist einer Hütehundrasse) sowie Cai, unser Galgo Español.

Achtzehn gemeldete Hunde, das bedeutete sechs Vorrennen (es laufen 3 Hunde in einer Jagd). Die Gewinner von diesen kamen dann zu den zwei Semifinalrennen mit wiederum jeweils 3 Hunden. Die Gewinner von diesen beiden Rennen kämpfen zuletzt gegeneinander im Finale. Die beiden Finalisten würden somit drei Rennen laufen, eine anspruchsvolle Aufgabe für jeden Hund, besonders unter den harten Bedingungen in New Mexico.

Die Art zu jagen ist in New Mexico ganz verschieden von Kalifornien. Die Felder sind 10-mal größer, das bedeutet eine Menge Platz für die Jackrabbits, die lange Jagden hervorrufen. Der Bodenbewuchs ist eine Mischung aus Yucca, Prickly Pear, gewöhnlichem Greasewood und Cholla Kaktus. Alles schön niedrig wachsend, was den Hunden bessere Sicht gibt als in Kalifornien.

Die New Mexico Blacktailed Jacks haben den Ruf, die am schwersten zu fangenden des Landes zu sein. Sie sind größer, bis zu 12 lbs (ca. 5,5 kg) schwer, schneller, weit wendiger und viel schwieriger zu finden. Es ist ein guter Hund, der es schafft, ein New Mexico Jack dazu zu bringen, einen Haken zu schlagen, meist endet es nur in einer geraden Verfolgungsjagd.

Cai war im zweiten Lauf, zusammen mit Argo, dem Longdog aus Arizona und Belle, dem New Mexico Saluki. Die Jacks saßen fest und nach über einer Stunde sprang eines 10 Yards vor uns auf. Cai und Argo verfolgten es sofort und brachten das Jackrabbit zu einigen großartigen Wendungen und Hakenschlägen, aber sie konnten nicht nah genug kommen, um es zu fangen. Nachdem sie in einem weiten Halbkreis um uns herumrauschten, verschwanden sie über einen Kamm aus unserer Sicht. Dutch jedoch konnte sie immer noch sehen und fuhr fort zu richten.

Belle und Argo kamen kurz darauf zurück, nur Cai war nirgends zu sehen. Wir warteten einige Minuten, doch er kam immer noch nicht zurück. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Das war sehr ungewöhnlich, Cai kam jedes Mal zurück. Er war entweder verletzt oder verloren gegangen. Dave, Argos Besitzer und ich gingen los, ihn zu suchen. Nach 10 Minuten sah Dave ihn in einem Feld voll mit Weidevieh. Was Cai passiert war: er hatte sich plötzlich in einer riesigen Senke wiedergefunden, wo er den Horizont nicht mehr sehen konnte. Das ist extrem desorientierend und Hunde gehen leicht in diesen verloren. Ich war glücklich, daß wir ihn so schnell wiedergefunden hatten.

Die sechs Vorentscheidungsrennen endeten um 15 Uhr. Es dauerte sechs Stunden um 6 Rabbits zu finden. Der Wind frischte heftig auf und es wurde kälter. Wir waren müde, das Licht wurde schwächer und wir mußten noch drei Rabbits finden. Es war eine Herausforderung den Tag zuende zu bekommen.

Jo und ich kauerten uns mit den Hunden zusammen und fragten uns, ob Cai es bis zum Semifinale geschafft hatte. Wir wußten, daß Sunny nicht weitergekommen war, weil sie bei ihrem Rennen außer Sicht war. Nach 5 sehr langen Minuten las Dutch die Ergebnisse vor: Cai bekam 74 Punkte, bislang das höchste Ergebnis des Tages. Jo und ich waren überglücklich.

Im nächsten Rennen lief Cai mit Barracooda, einem Saluki, und erneut mit Argo, dem Longdog. Romy der Greyhound war verletzt und Argo der Hund mit der nächsthöheren Punktzahl ersetzte sie. Dieser Lauf war spektakulär. Er war lang und hart. Cai bedrängte das Rabbit permanent und zwang es zu einem Haken nach dem anderen. Da sah ich, wie Cai reifte. Mit jedem Haken des Rabbits wendete auch Cai vollkommen synchron. Er studierte das Rabbit und nutzte seine Kraft und Wendigkeit, um Schritt zu halten und nah dranzubleiben, egal wie viele Haken das Rabbit machte. Es war ehrfurchtgebietend zu beobachten. Er rannte über eine Kuppe und aus meiner Sicht und ich wußte, er hatte dieses Rennen gewonnen.

Er kam als Letzter zurück mit einem großen Grinsen im Gesicht. Aber dies war das Desert Hare Classic. Er hatte den Lauf gewonnen, aber das Finale folgte auf den Fuß. Keine Zeit für eine Pause. Ich mußte ihn sofort wieder in die Reihe einbringen. Dies würde hart werden für Cai.

Er war am Start zusammen mit Fanny und Pistolita, den Longdogs aus Texas bzw. Nord-Kalifornien. Beide belegten gemeinsam den zweiten Platz. Zehn Minuten später bekamen wir das Jackrabbit, das wir uns wünschten. Cai und Fanny folgten ihm direkt, Pistolita sofort dahinter. Sie begannen alle, das Rabbit zu Haken zu zwingen. Cai und Fanny machten ihre Sache sehr gut, Pistolita dagegen begann zurückzufallen. Bald kam Cai in Führung und bedrängte das Rabbit wirklich. Danach gerieten sie außer Sicht.

Schließlich kam Cai zurück mit seiner Zunge fast am Boden und mit einem noch größeren Lächeln im Gesicht. Dieser Hund hatte gerade zwei lange und harte Rennen absolviert und lächelte immer noch. Jo und ich wußten an diesem Punkt, was für ein außergewöhnlicher und besonderer Hund Cai ist. Wir wußten auch, daß er Grund hatte zu lächeln, denn er hatte gerade das Deset Hare Classic gewonnen. Fanny wurde Zweite und Pistolita Dritte.

Dieser junge Anfängerhund gewann in seine ersten Saison den Titel "Coursing Mixed Champion", ist Topdog im TCC (www.runofc.com) und hat das Desert Hare Classic gewonnen. Ein unglaubliche Leistung für so einen jungen Hund und er kann nur noch besser werden. Wir sind so stolz auf dich, Cai!